Bauvorbereitung: bevor die Bagger anrollen

Deine Vision vom Hausbau ist bereits zum konkreten Plan geworden, Du hast sicherlich den Bautr√§ger Deines Vertrauens gefunden und das Grundst√ľck, auf dem Dein Traumhaus stehen soll. Schlie√ülich hast Du bereits eine B√ľrgschaft abgeschlossen. Bevor die Bagger anrollen, ist es wichtig, dass Du bei der Bauvorbereitung an alles gedacht hast.  

Der Hausbau selbst ist Sache Deines Baupartners, es gibt jedoch jede Menge Verwaltungskram und Organisatorisches, um das Du Dich k√ľmmern musst und einige Entscheidungen, die Du getroffen haben solltest, bevor es richtig losgeht.   

Wir wollen Dir im Folgenden einen √úberblick √ľber die wichtigsten Dinge geben, die Du vor Baubeginn beachten solltest.

Bauvorbereitung: die 8 wichtigsten Punkte vor Baubeginn

  1. 1
    Bauanlaufbesprechung 
  2. 2
    Bauvertrag pr√ľfen 
  3. 3
    Relevante Anträge stellen
  4. 4
    Baugrundgutachten machen
  5. 5
    Bauplan pr√ľfen
  6. 6
    Bauzeitenplan erstellen
  7. 7
    Zahlungsplan pr√ľfen
  8. 8
    Versicherungen abschließen

1. Bauanlaufbesprechung

Bauanlaufbesprechung bzw. das Planungsgespr√§ch hast Du wahrscheinlich schon hinter Dir. Das Protokoll solltest Du aber noch einmal zur Hand nehmen und die Punkte durchgehen, die ihr besprochen und festgelegt habt.  Neben Informationen rund um Bemusterung und Gewerke kannst Du hier auch kontrollieren, was alles in Deinen Verantwortungsbereich f√§llt, wie die Beantragung z.B. von Bauwasser und Baustrom.

2. Bauvertrag pr√ľfen 

Zur Bauvorbereitung geh√∂rt auch, dass Du Deinen Bauvertrag nochmals sorgf√§ltig durchliest, um unangenehme √úberraschungen zu vermeiden. 

Hier findest Du alles, worum Du Dich selbst k√ľmmern musst. Das geht von der Besorgung wichtiger Formulare √ľber die Beschaffung amtlicher Pl√§ne, wie z.B. einer aktuellen Flurkarte f√ľr den Architekten, Ma√ünahmen zur Einrichtung der Baustelle bis zum Abschluss von Bauherrenversicherungen. 

Kommt es zu Bauverz√∂gerungen, weil Du Dich beispielsweise nicht rechtzeitig um die Bauanschl√ľsse, wie Baustrom oder Bauwasser gek√ľmmert hast, bleibst Du auf eventuellen Mehrkosten sitzen.  

Du bist Dir nicht ganz sicher, ob Du jeden Passus im Vertrag richtig verstanden hast oder was genau noch zu tun ist? Bei Unsicherheiten kontaktiere so schnell als möglich Deinen Baupartner. Auch er hat ein Interesse daran, dass alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und jeder seinen Beitrag zu einem erfolgreichen Projekt leistet.

Oder Du l√§sst Deine Vertr√§ge von unabh√§ngigen Sachverst√§ndigen pr√ľfen, wie z.B. durch den T√úV, Verbraucherzentrale oder einem Anwalt.

Seit 2018 gibt es ein neues Bauvertragsrecht, das dem Bauherren mehr Schutz bieten soll. Wichtige Punkte dabei sind eine ausf√ľhrliche Baubeschreibung sowie Angaben zum Energiestatus, Brandschutz und Schallschutz. Des Weiteren d√ľrfen Abschlagszahlungen der einzelnen Raten gesamt nicht h√∂her als 90% sein. Das hei√üt, die Schlussrate darf nicht unter 10% liegen. So kannst Du noch genug Geld zur√ľckhalten, sollten M√§ngel vorhanden und nicht beseitigt worden sein.

3. Relevante Antr√§ge stellen 

Abgesehen vom eigentlichen Bauantrag oder der Bauanzeige k√∂nnten zum Beispiel Antr√§ge f√ľr den Abbruch bestehender baulicher Anlagen oder das F√§llen von B√§umen erforderlich sein. Manche Antr√§ge werden vom Bauunternehmen gestellt, um andere musst Du Dich als Bauherr k√ľmmern.

Wir haben Dir hier eine beispielhafte Auflistung möglicher Anträge erstellt. Nicht alle sind bei jedem Hausbau erforderlich oder durch Dich umzusetzen:

√Ėffentlicher Raum

Werden ein Kran oder Baugeräte im öffentlichen Verkehrsraum wie Gehwegen oder Straßen stehen, musst Du dies unbedingt mit den Behörden bzw. Gemeinden abstimmen.

Baumfällung

Kann zu Verz√∂gerungen f√ľhren, wenn nicht rechtzeitig eine Erlaubnis eingeholt wird, dass ein Baum f√ľr den Bau gef√§llt werden muss.

Abbrucharbeiten

Du musst erst ein altes Haus oder Bauwerke beseitigen, bevor Du neu bauen kannst? Dann ist es erforderlich, dass Du einen Abbruchantrag im Zuge des Bauantrages stellst. Gleichzeitig kannst Du auch das Thema Abfallentsorgung mit den Behörden klären.

Baustrom und Bauwasser

Die Versorgung ist √ľber einen Nachbarn zwar nach Genehmigung m√∂glich, aber nicht unbedingt empfehlenswert. F√ľr gro√üe Baumaschinen oder einen Kran reicht die ‚Äěnormale Steckdose‚Äú nicht aus. Ein beantragter und gestellter Baustromkasten garantiert die n√∂tige Leistung an Volt und Ampere.

Regenwasserversickerung

Die Einleitung des Regenwassers in die √∂ffentliche Kanalisation muss immer in Form eines Entw√§sserungsantrages bei der Stadt oder dem zust√§ndigen Zweckverband beantragt werden. Eine Versickerung des Regenwassers auf dem eigenen Grundst√ľck ist meist genehmigungsfrei.

Kanalanschluss

Abwasser oder Schmutzwasser muss in einen Kanal geleitet werden. Der Antrag wird wie mit einem Entw√§sserungsantrag gestellt. Der Kanalanschluss liegt in der Stra√üe vor dem Grundst√ľck oder schon direkt auf dem Grundst√ľck. Du als Bauherr hast die Kosten auf Deinem Grundst√ľck selbst zu tragen.

Trinkwasser

F√ľr das sp√§tere Trinkwasser im Neubau muss f√ľr die Anbindung ans Netz der entsprechende Wasserversorger kontaktiert werden. Gibt es bisher keinen Wasseranschluss muss dieser zus√§tzlich noch bei der Gemeinde beantragt werden.

Gas

Du wirst mit Gas heizen? Dann musst Du Dein Haus beim entsprechenden Versorger anmelden.

Telekommunikation 

Auch hier musst Du Dich mit dem Netzbetreiber in Verbindung setzen, damit später Telefon und Internet funktionieren.

Erneuerbare Energien

Die EnEV (Energieeinsparungsverordnung) bzw. das GEG (Geb√§udenergiegesetz) schreibt vor, dass bei Neubauten auch erneuerbare Energien eingesetzt werden m√ľssen. 15% des ben√∂tigten Verbrauchs muss alternativ erzeugt werden. Heizt Du z.B. mit Gas, k√∂nntest Du mit einer Solaranlage auf dem Dach mindestens diesen Anteil erreichen.

J√ľrgen Th√ľne, Sachverst√§ndiger der 
Schutzgemeinschaft f√ľr Baufinanzierende e.V.

Zitat J√ľrgen Th√ľne

4. Baugrundgutachten machen

Lass auf jeden Fall ein Baugrundgutachten machen. Der Baugrund ist in Deutschland Bauherrenrisiko. Wenn es sp√§ter M√§ngel gibt, die aus dem Baugrund entstehen, tr√§gst Du ein immenses Risiko. Denn die erste Frage des Sachverst√§ndigen wird lauten, kann ich bitte das Baugrundgutachten sehen.

Wer kann auch mit dem bloßen Auge sagen, was im Boden so alles "schlummert".

Das Gutachten gibt Auskunft √ľber die Beschaffenheit des Bodens. Also um welche Bodenklasse es sich handelt, wie tragf√§hig der Boden ist, wie hoch das Grundwasser steht oder ob z.B. ein Felsbrocken unter der Erde liegt, der beim Kelleraushub noch speziell gehoben werden muss.

Diese Informationen fließen in den Standsicherheitsnachweis. Werden hier Fehler gemacht, sind spätere Schäden sehr hoch oder vielleicht sogar irreparabel.

Ein Gutachten kann von einem Geologen, Bauingenieur oder von einem Sachverst√§ndigem f√ľr Geotechnik durchgef√ľhrt. Ein Bodengutachten kostet bis zu ca. netto 1.200  Euro.

5. Bauplan pr√ľfen

Es lohnt sich auch jetzt noch einmal einen Blick auf den Bauplan zu werfen und zu √ľberlegen, ob Du das Haus auch wirklich im Detail richtig durchdacht hast und an der Detailplanung noch √Ąnderungen vornehmen m√∂chtest. Notiere Dir, was Du eventuell noch anpassen m√∂chtest.

Beachte aber bitte, dass je n√§her der Baubeginn r√ľckt, √Ąnderungen im Bauplan gro√üe Auswirkungen haben k√∂nnen. Besprich daher offen Deine Bedenken und W√ľnsche mit dem Bauleiter oder Baupartner. Was ist in der Phase noch m√∂glich und welche Auswirkungen haben √Ąnderungen auf den Zeitplan, Kosten und ob vielleicht auch weitere Genehmigungen erforderlich werden.

6. Bauzeitenplan erstellen

Kein Muss, aber ein Bauzeitenplan sollte durchaus im Vertrag enthalten sein. Nicht wenige Gewerke sind notwendig bis Dein Traumhaus steht. Wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den Gewerken haben Einfluss auf die Planung, genauso wie das Wetter, Lieferzeiten und auch Genehmigungen von Behörden.

Die verschiedenen Faktoren sollten, soweit es planbar ist, ber√ľcksichtigt werden.

Auch wenn die √úberwachung der Termine Aufgabe des Architekten oder Bauleiters ist, solltest Du den Plan auch im Auge behalten.

7. Zahlungsplan

Egal ob Systemhaus, Fertighaus oder ein individuell mit einem Architekten geplantes Haus, alle Bauten benötigen einen Zahlungsplan. Hier werden zu bestimmten Meilensteinen des Baufortschritts (zum Beispiel Fertigstellung des Kellergeschosses, Aufrichtung des Dachstuhls) Teilzahlungen festgelegt. Diese solltest Du auch im Auge behalten und den tatsächlichen Baufortschritt mit den einlaufenden Rechnungen während des Baus abgleichen.

8. Versicherung abschließen

Der Hausbau ist aus finanzieller Sicht wahrscheinlich eine der wichtigsten Entscheidungen Deines Lebens. Interessanterweise denkt beim Autokauf jeder gleich an eine Vollkaskoversicherung - beim Haus sind da viele entspannter, obwohl z.B. ein Feuer oder Pfusch am Bau existenzgefährdend sein können.

Das Angebot ist gro√ü und nicht jede Versicherung ist f√ľr jeden Bauherren unbedingt n√∂tig.

Wir haben Dir hier die wichtigsten Versicherungen aufgelistet, die Du auf jeden Fall pr√ľfen und wenn f√ľr Dich relevant, noch vor Baubeginn abschlie√üen solltest:

Die Feuerrohbauversicherung sch√ľtzt Dein Haus w√§hrend der Bauphase z.B. vor Sturm und Feuer und ist in der Regel beitragsfrei in der Wohngeb√§udeversicherung enthalten.

Ab dem Tag der Abnahme Deines Hauses greift dann die Wohngebäudeversicherung. Sie sichert Dich gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel ab.

unbedingt!

Beim Hausbau haften alle Beteiligten gesamtschuldnerisch, auch Du als Bauherr. Dies ist besonders wichtig, wenn jemand auf der Baustelle zu Schaden kommt, z.B. ein spielendes Kind oder eine Person durch einen herabfallenden Ziegel.

unbedingt!

Auch w√§hrend der Bauphase k√∂nnen unvorhersehbare Ereignisse Dein Bauprojekt besch√§digen und Deinen Zeit- und Finanzierungsplan durcheinanderwerfen. Mit der Bauleistungsversicherung sch√ľtzt Du Deinen Bau z.B. vor Vandalismus, h√∂herer Gewalt wie Sturm und Hagel und Diebstahl von z.B. bereits eingebauten Fenstern oder Heizk√∂rpern.

wichtig

Das Bauunternehmen geht Pleite, auf der Baustelle geht nichts mehr voran, die Miete und Finanzierung laufen weiter. Die Bauherrenschutzpolice sichert Dich finanziell ab, damit Du Dein neues Zuhause trotz der Mehrkosten mit anderen Baupartnern fertig bauen kannst. Und gilt sogar noch bis 5 Jahre nach Abnahme, wenn es um die Beseitigung von Mängeln geht.

wichtig

Familie, Freunde oder Bekannte helfen beim Hausbau mit? Dann ist es Deine Pflicht, Deine Bauhelfer bei der Berufsgenossenschaft (BG Bau) anzumelden. Keine Pflicht, aber eine absolute Empfehlung ist Deine Bauhelfer durch eine Bauhelfer-Unfallversicherung zu sch√ľtzen. Nur so sind sie bei Unf√§llen auf der Baustelle auch wirklich finanziell abgesichert.

sinnvoll

Sind alle Anträge gestellt, geht es gleich weiter. Denn bevor die Bagger anrollen können, muss die Baustelle noch eingerichtet werden.

Fazit

Die Bauvorbereitung ist mit viel Papierkram und Organisatorischem verbunden. Je nachdem was der Bauunternehmer √ľbernimmt oder Du selbst, hast Du viele Formulare zu bef√ľllen und viele √Ąmter zu kontaktieren.

Eine Liste mit n√∂tigen Antr√§gen kann helfen, den √úberblick nicht zu verlieren, was man schon verschickt hat, wo man noch auf R√ľckantwort wartet oder wo vielleicht noch Informationen nachgeliefert werden m√ľssen.

Wichtig dabei ist der Zeitfaktor. Viele Anträge können Wochen oder Monate dauern, bis sie genehmigt werden. Eine pauschale Aussage lässt sich hier nicht treffen. Dein Bauleiter oder Bauunternehmer kann Dir hier mit Erfahrungswerten beiseite stehen.

Artikel teilen

Das könnte Dich auch interessieren

Umzug ins Eigenheim planen

Der anstehende Umzug in Dein neues Zuhause ist der Startschuss f√ľr einen neuen Lebensabschnitt. Damit ist viel Vorfreude und Aufregung verbunden, aber leider auch Arbeit. Damit

weiter

Rohbau: der wichtigste Schritt ins Eigenheim

Der Papierkram ist erledigt, das Grundst√ľck soweit vorbereitet. Jetzt geht¬īs ans Eingemachte, an den Rohbau. In den n√§chsten Wochen und Monaten wirst Du Dein Haus entstehen

weiter

Richtfest planen und feiern

Während der Rohbauphase, spätestens zum Ende hin, solltest Du Dir Gedanken zum Richtfest machen. Denn die Fertigstellung des Rohbaus markiert einen wichtigen Baufortschritt. Traditionell wird dieser

weiter

Page [tcb_pagination_current_page] of [tcb_pagination_total_pages]